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íslenska

Der Schmerz der Engel

Der Schmerz der Engel
Author
Jón Kalman Stefánsson
Publisher
Piper
Place
Munchen
Year
2011
Category
German translations

About the book

The novel Harmur englanna in German translation by Karl-Ludwig Wetzig.

Nordwind, und alles ist weiß, die Posttaschen wiegen schwer auf ihren Schultern. Helga hat ihnen ordentlich Proviant mit gegeben. Du trägst die Verantwortung für ihn, hat sie zu Jens gesagt. Und dann sind die beiden aufgebrochen zu ihrer gefährlichen Reise durch den isländischen Winter. Was suchen sie da draußen außer dem Tod?

From the book

Wer unter Bergen mit jähen Abstürzen zurückgelassen wird, darf sich eigentlich erlauben, alles zu sagen, weil er sowieso nichts mehr zu verlieren hat, und natürlich auch nichts zu gewinnen.

Ich sage nichts, weil die Traurigkeit irgendwo da draußen in der Nacht mit einer geladenen Flinte schon auf dem Weg zu mir ist, und ich schaue deine Schultern so an, weil sie schöner sind als der Mondenschein, und ich könnte sie nie beschreiben, und wenn ich zehn Jahrhunderte leben würde, und ich ..., der Junge verstummt, weil ihn die Worte urplötzlich verlassen haben, eine ganze Sprache ist verscwunden und hat nichts als Schweigen zurückgelassen. Sie stehen jetzt ganz dicht beieinander, so dicht, dass sie denselban Sauerstoff einatmen, ihn teilen, und sie hat diese Schultern und sieht ihn an und atmet, atmet ihn einfach ein, und alle Wörter dieser Welt sind vershcwunden, und der Junge tut deshalb das Einzige, was man tun kann: Er gehorcht dem Befehl seines Herzens.

Seine Lippen schweben lange in der leeren Luft. Sie schweben und steigen durch die Luft in die Atmosphäre auf, brauchen sehr lange auf ihrem Weg durch das dunkle Weltall, landen aber schließlich auf den mondscheinweißen Schultern. Dann streift der Junge mit den Lippen leicht ihre Oberfläche entland, den Hals hinauf bis zum Ohrläppchen, das weiß und hart und weich ist; er hört sie atmen, fühlt ihre Hand auf seinem Bauch, dann greift sie ihm um den Kopf, zieht ihn herab und küsst ihn, und ihre Lippen sind heiß, sie sind feucht und sie sind und sie sind und sie sind.

Dann lässt sie seinen Kopf los, dreht sich um, geht schnell auf den Esssaal zu, öffnet, ein paar Worte fallen, sie geht hinein, schließt die Tür hinter sich, und die Worte sterben auf dem Boden vor seinen Füßen.

(103-104)

 

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