A poem and short story in Wortlaut Island

Place: 
Bremerhaven
Year: 
2000

Published in Wortlaut Island: Isländische Gegenwartsliteratur. Editors: Franz Gíslason, Sigurður A. Magnússon and Wolfgang Schiffer. In edition die horen (26).

The short story Scheigen ist Gold, translated by Ute Zimmermann, and an unnamed poem translated by Andreas Vollmer.

From Scheigen ist Gold:

Der Isländische philologe Magni saß in seinem Büro und blätterte in Büchern. Er stöhnte und fuhr sich durch das dünne Haar, blickte auf und starrte auf das Bücherregal, das über ihm hing wie ein drohender, stummer Fels. Manchmal kam es ihm vor, als sei er im Innern einer Höhle, in die er sich wie im märchen verirrt hatte.

- Ganz ruhig bleiben, murmelte Magni halblaut.

Denn anders ils im Märchen gab es in dieser Höhle keine tanzenden Elfen in golddurchwirkten, bunden Gewändern. Hier saß nur er allein, in einem braunen Kordjackett mit Lederflicken, an einem Schreibtisch, der mit Zeitungen und Büchern beladen war. Draußen, vor der Höhle, konnte man Kinder beim Fußballspielen hören, die strahlende Sonne und singende Drosseln.

Er schaute über die Regale und sah sich die Rücken der Bücher an, von denen er einige selbst verfaßt hatte. Auf nur wenigen Regalzentimetern konnte er die letzten Jahre seines Lebens betrachten. Ganz links standen die Bücher, die er während des Studiums und in den ersten zehn Jahren nach dem Examen geschrieben hatte. Vier Bände über die Werke Pétur Jónssons, des landesweit begemacht, die Werke von Árni Stefánsson zu untersuchen, der sich besonders mit Arbeiten über die Gedichte des romantischen Dichters Sigurður Jónassen hervorgetan hatte. Die Gedichtsammlung Sigurðurs stand neben den vier Bänden, aber sie war nicht so dick, daß Buchstaben auf den Rücken gepaßt hätten. Magni dachte daran, daß er sich eines Tages unbedingt einmal die Zeit nehmen müßte, sie zu lesen.

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